Wir

Für jeden von uns hat Aikido eine etwas andere Bedeutung. Oder jeder hat oder hatte ein anderes Motiv, um zu trainieren. In ihrer Gesamtheit bilden alle diese Motive eine Einheit:

„Ich trainiere hier, weil die Aikido-Philosophie zu meinem Lebensprinzip geworden ist“ Rainer

„Ich mach Aikido, weil ich schon immer einen Sport gesucht habe, der Budo mit Ki verbindet“ Carin

„Ich wollte Budo ohne Sieger und Verlierer“ Gunnar

Was wird dein Motiv sein?


Unser Sensei ist Duncan Underwood

Seit 1997 leitet Duncan Underwood (6. Dan Aikikai Honbu-Dojo / 4. Dan Daitoryu Aiki Jujutsu Bokuyokan) die Aikido-Gruppe im TSV Oldenswort – im Herzen Eiderstedts hat sich die fernöstliche Kampfsportart also schon etabliert. Duncan Underwood ist Vorsitzender unseres Aikidoverbandes und offizieller Vertreter gegenüber dem Hombu Dojo.

Das sind seine Stationen:

1981-1983   Aikikai Münster

1983-1985   Aikido-Zen Institut Gerd Walter

1985-1989   Aikikai Köln im Dojo Hans Jürgen Klages

(Alles unter Leitung von Asai Sensei)

1989   Eintritt ins Shinki-Rengo-Aikido unter der Leitung von Daishiro Nakajima Sensei

1989-1996   Shinki-Dojo Oberkessach

1997 bis heute Leitung der Aikido-Gruppe und der Shinki Toho Schwertschule in Oldenswort

Wir gehören dem Shinki-Rengo an unter der Leitung von Daishiro Nakajima Sensei.

Unsere Dan-Graduierungen werden vom Honbu Dojo ausgestellt.

Die Kyu-Grade werden verbandsintern vergeben.


Unsere Co-Trainer

Unser Trainer wird durch ein erfahrenes Team unterstützt. Carin Klamberg (3. Dan) und Svenja Clausen (2. Dan) assistieren, so dass Anfänger individuell gefördert werden und immer ein qualitativ gutes Training gewährleistet ist.


Unser Trainer für die Kurzen

Frank Jochimsen (4. Kyu) leitet das Kindertraining (für Kinder ab 6 Jahre). Trainiert wird jeden Freitag von 17:30 Uhr bis 18:45 Uhr. Aikido für Kinder unterstützt das natürliche Bewegungsbedürfnis, die Techniken stehen noch nicht im Vordergrund. Die Kinder verlieren ihre Angst vor dem Fallen und lernen Bewegungsformen und Koordination. Durch den ganzheitlichen Ansatz des Aikido werden neben den motorischen Fähigkeiten auch Konzentration und Aufmerksamkeit trainiert.

Das Aikido-Training funktioniert bei Kindern genauso wie bei den Erwachsenen nur mit Respekt, Vertrauen und Disziplin. Auch diese Fähigkeiten werden im Training gefördert. Der Blick für die eigene Wahrnehmung wird geschult und das soziale Miteinander trainiert.

Kinder (und ihre Eltern) dürfen gerne einmal vorbeikommen, selber schauen und auch gleich mitmachen; sie sind jederzeit willkommen.

Mattengeflüster

An dieser Stelle veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Interviews mit unserem Sensei Duncan Underwood (DU). Es sind Gedanken zu Hintergründigem und Vordergründigem, Ursprüngen, großen Zusammenhängen und kleinen Details.

Kommentare sind ausdrücklich erwünscht.

Die Interviews führte Nicole Knudsen (NK).

Erstes Interview: Aikido: Kampfsport oder Kampfkunst?

NK: Duncan, du sprichst bei Aikido oder Budo von Kampfkunst. An anderer Stelle ist aber auch vom Begriff Kampfsport die Rede. Was ist richtig?

DU: Meiner Meinung nach muss man sich anschauen, woher Budo kommt. Der Ursprung lag sicherlich im Kampf, in der kriegerischen Auseinandersetzung der Samurai.

Aber es gab einige dieser Krieger, denen durch diese intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen technischen Möglichkeiten und den Situationen beim Kämpfen klar wurde, dass durch das Weglassen der reinen Körperlichkeit (Kraft, Technik), viel mehr erreicht werden konnte. Das Loslassen des Willens und sich der Intuition preisgeben eröffnete Ihnen die Einsichten in eine umfassendere Sichtweise. Aus der konfrontativen Begegnung wurde die Beschäftigung mit Sinnhaftigkeit des menschlichen Daseins. Somit wurden die Aspekte des Kampfes dazu genutzt, die tieferen Beweggründe der Beziehungen und Begegnungen der Menschen zu ergründen. Aus dem Vernichtungswillen im Kampf wurde das Bewusstsein eines weit größeren Auftrags in der Welt.

NK: "Kunst" klingt in unserer Sprache eher nach Schöngeistigem und so gar nicht nach Kampf. Ist das Begriffspaar nicht ein Widerspruch in sich?

DU: Kampfkunst steht dem wirklichen Kampf nicht diametral gegenüber. Man kann sich die martialische Auseinandersetzung aus der Kampfkunst nicht wegdenken. Diese Konfrontationen schärfen die Sinne, bilden die Grundlage (wie oben schon gesagt) für das sich öffnen. Schärfe und Weichheit sind eine Einheit und nicht zu trennen. Deswegen muss beides, das Kämpfen und die Ergründung der inneren Prinzipien, geübt werden. Wenn man eines dieser Aspekte, die sich in dem Wort Kampfkunst wiederfinden, abtrennt, hat man Budo nicht verstanden.

 NK: Und was ist mit dem Sport?

DU: Sport ist auf siegen und gewinnen aus. Es gibt Regeln, an die sich die Athleten halten müssen - und es gehören auch Techniken und eine gewisse körperliche Fitness dazu. Eine darüber hinausgehende spirituelle Weiterentwicklung ist nicht unbedingt nötig. Natürlich hat Sport auch künstlerische Elemente. Unter Fußballern zum Beispiel gibt es auch Ballkünstler. Aber das ist hier nicht gemeint. Kampfkunst beinhaltet zwar auch diese sportliche Athletik, sie geht jedoch weiter und unterliegt keinem Reglement. Kampfkunst beinhaltet die ganze Größe der Begegnung, ist mehr als das Kämpfen. In der Ganzheit der Begegnung geht es um die Stellung des Menschen in der Welt und dem Zusammenhang zwischen Menschen, Natur und Kosmos, der ganzen dem inne liegenden Spiritualität. Die Menschen, die aus dem kriegerischen Akt und dem reinen Kampfsport eine Kampfkunst machten, hatten alle einen spirituellen Hintergrund oder haben ihn dadurch gefunden. Sie haben tiefe Einsichten über sich und die Welt dabei gewonnen. Kampfkunst ist unmittelbar mit dieser geistigen Beschäftigung verbunden. Früher wie heute.

 NK: Kann man sagen, dass Kampfsport den Sieg über den anderen bedeutet, die Kampfkunst dagegen den Sieg über sich selbst?

DU: Das kann man nur bedingt sagen. Denn dann hätte man das Ende schon vorweggenommen und es wäre auch impliziert, dass es ein Ende gibt. Die Kampfkunst gibt einem das Rüstzeug, das kleine ICH (Egoismus, Besitzen wollen, Selbstgefälligkeit etc.) zu besiegen um das Fallenlassen zu ermöglichen. Die Loslösung vom kleinen ICH gelingt nicht, wenn man am Gedanken des Ziels festhält. Der Satz "Der Weg ist das Ziel" klingt zwar abgedroschen, aber er enthält eine unglaubliche Tiefe und wird sicherlich kaum verstanden. Ich meine damit nicht, dass man dem Ziel gegenüber gleichgültig werden oder alles im Nebulösen lassen soll. Aber die Bilder und Begriffe, die man damit in seinem Kopf auslöst sollen nur die Orientierungspunkte sein und sollten - sobald es geht - weggelassen werden. Es geht vielmehr darum, intuitiv zu sehen, zu lernen. Das ist für uns Europäer im 21. Jahrhundert sehr schwer, unser Ausgangspunkt ist eher das logische rationale Weltbild, deswegen brauchen wir diese Orientierungspunkte. Doch Bilder und auch Worte können in die Irre führen. Darum braucht man Lehrer, die einem den Weg zeigen.

NK: Lieber Duncan, ich danke für das Gespräch. Im zweiten Interview wird es um die Frage gehen, wie sich Budo in den Alltag integrieren lässt.

Zweites Interview: Budo und Alltag

NK: Duncan, du sprichst oft darüber, dass BuDO ein Weg ist, den man nicht nur auf der Tatami geht, sondern der das ganze Leben umfasst. Wie lebst du Budo im Alltag?

 DU: Das ist eine leichte und zugleich schwere Frage. Das Budo-Prinzip lässt sich nur bedingt in Worte fassen, aber es lässt sich auf keinen Fall vom Leben als solches trennen. Das Budo-Dasein ist das Deutlichmachen der Prinzipien, wie wir miteinander umgehen in der ganzen Vielfalt des Lebens. Wenn wir an Budo denken, denken wir  zuerst an Kampf und Gewinnen, aber das sind nur Nebeneffekte. Das hat sich erst in den letzen rund 150 Jahren herauskristallisiert, seitdem die kriegerische Auseinandersetzung in unserem Alltag keine so große Rolle mehr spielt. Gleichzeitig sind unser Leben und unser Alltag geprägt von kleinen zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen. Das Leben besteht aus Widersprüchen, einem Gegeneinander und einem Miteinander. Budo spiegelt sich darin wider. Wir greifen an und verteidigen uns auch verbal und mit Gesten. Je tiefer man in Budo einsteigt, desto eher erkennt man, dass sich dieses Angreifen und Verteidigen auf allen menschlichen Ebenen abspielt. Das Erlernen von Aikido führt dazu, dass sich diese Konflikte auch außerhalb des Dojos auflösen lassen, wobei auch hier eine große Bandbreite vorhanden ist bis hin zum optimalen harmonischen Beenden des Konflikts.

 

NK: Wie kann Angriff zu Harmonie führen?

DU: Wenn man den Weg des Budo nicht selber geht, ist es schwer, ihn in Worte zu fassen. Den Umgang mit Aggression macht jeder mit sich selber aus. Den scheinbaren Widerspruch des Kämpfens und Gewinnens im Budo und das Gefühl wie es ist, wenn sich Konflikte in Harmonie auflösen, spürt man erst nach jahrelangem Üben. Insbesondere beim Aikido. Beim Aikido ist diese Veränderung besonders ausgeprägt, weil die angreifende Kraft umgewandelt wird in eine nicht-zerstörerische. In anderen Budo-Sportarten ist dieser Ansatz verkümmert, insbesondere, wenn sie Wettkampforientiert sind. Wettkämpfe werden bestritten, um zu gewinnen, nicht, um die Begegnung umzuwandeln.

 

NK: Heißt das, dass man durch den konsequenten BuDO lernt, Konflikten oder Konfrontationen im Alltag nicht aus dem Weg zu gehen, sondern diese zu gestalten?

DU: Ja, durch BuDO erfährt man, dass Konflikte viel damit zu tun haben, wie Menschen aufeinander reagieren. Budo ist kein reglementierendes Prinzip, sondern ein Eins-Werden mit und das Spüren des Da-Sein. Man bewegt sich nach jahrelangem Üben auf einer auch im Alltag den reinen Konflikt annehmenden und akzeptierenden Ebene. Man lernt Dinge zuzulassen und dadurch eröffnen sich viel mehr Möglichkeiten. Man erkennt, dass man sich nicht verletzen muss, das ist unnötig geworden. Diese Erkenntnis ermöglicht, Aggression in welcher Form auch immer, anders – entspannter -  zu betrachten. Ob man immer eine Lösung findet für den Konflikt, ist eine andere Frage.

 

NK: Steht einem das „kleine Ich“, die eigene Eitelkeit dabei nicht manchmal im Weg?

DU: Das kann passieren, Budo heißt ja auch den Sieg über das kleine Ich, den eigenen Egoismus,  zu erlangen. Wenn man in sich ruht, ist die Eitelkeit nicht mehr vorhanden und kann somit auch nicht mehr gegen einen verwendet werden. Die natürliche Reaktion ist normalerweise erst einmal gekränkt zu sein, wenn das eigene Verhalten nicht gewürdigt wird, man keine Anerkennung bekommt. Doch Verinnerlichen des Loslassens erlaubt es einem, den eigenen Beitrag nicht ganz so wichtig zu nehmen.

 

NK: Wie würdest du den anderen Weg beschreiben: Nicht Budo im Alltag zu leben sondern den Alltag mit auf die Tatami zu nehmen?

DU: Zwischen Alltag und Tatami gibt es für mich keinen Unterschied. Das Da-Sein ist immer das gleiche, es braucht kein Umschalten zu geben. Das Menschsein außerhalb und auf der Matte unterscheidet sich nicht. Das Fallenlassen findet immer statt und ist nicht daran gebunden zu trainieren. So entwickelt es sich auf jeden Fall im Laufe der Jahre. Bzw. man bekommt die Möglichkeit sich dahin zu entwickeln.

Durch Budo habe ich immer eine grundsätzliche Freude in mir drin und habe die Kraft bekommen, Freude auch in schwierigen Situationen zu entdecken. Es gibt immer verschiedene Aspekte, gewisse Reaktionen, viele kleine Dinge, die ich spüren kann und die die Schwere der Situation leichter machen. Natürlich gibt es auch durch und durch leidvolle Situationen, aber die Grundeinstellung zum Leben ist eher Freude.

 

NK: Gehört das zu dem Budo-Prinzip? Was bedeutet es für dich?

DU: Wenn man BuDO immer weiter geht, erfährt man, dass alle Dinge eins sind und man auch immer der gleiche ist. Natürlich ist es leichter, wenn man an einem schönen Strand spazieren geht als im stressigen Alltag. Doch das Prinzip bleibt immer das gleiche.

Dieses Prinzip erlernt man, in dem man erst einmal, vielleicht Jahre, die BuDO-Techniken lernt, man muss üben und üben und das nachmachen, was der Lehrer zeigt. Dann werden die Techniken in ihrem Ablauf selbstverständlich und man kann sie und sich weiter entwickeln. Das ist das Geheimnis. Man muss erst die äußere Form lernen, bevor die innere sichtbar werden kann. Wenn die Form selbstverständlich geworden ist, eröffnen sich viele Möglichkeiten gerade für den inneren Weg. Auch im Alltag. Oder gerade dort. Dann erkennt man, dass die Begegnung mit einem Menschen mehr ist als ein äußerer Ablauf. Dann erfährt man die Kraft von Weich und Scharf in diesem Bindungsgefüge. Diesem auf den Grund zu gehen – das ist BuDO.

 

NK: Lieber Duncan, ich danke dir für das Gespräch.